Samstag, 18. Februar 2012

Regentropfen, die an meine Haut klopfen…

Regentropfen

Ich wurde gefragt, da ich doch „in Öle mache“, ob ich nicht diese duftenden Regentropfen kennenlernen möchte. Ein hervorragend präsentiertes Network Marketing, bei dem die ÄÖ die Produkte sind. Es wird von hochwertigen ÄÖ mit therapeutischen "Flair" für einen wirksameren und schnelleren Erfolg gesprochen.

Eine phänomenale Erscheinung sind dabei die Menge der ÄÖ, (sehr hohe Dosierung und  Anzahl der verwendeten ÄÖ)  und deren Preis. Also Faktoren, die eine gesundfördernde Wirkung schon deshalb haben müssen. Ganz dem Zeitgeist, des „mach mal schnell weg, ich habe dann noch einen wichtigen Termin…“ entsprechend.

…und als Geschäftsidee sehr verlockend: könnte schnellen finanziellen Erfolg bringen, dazu noch mit ethischen Motiven: man hilft den Leuten ihre Probleme loszuwerden und lässt sie an den einzig wa(h)ren ÄÖ teilhaben. Natürlich ist es dabei sehr gut viele „Kunden“ zu finden, die diese hilfreichen Geister in größeren Mengen abnehmen…und neue Strukturen schaffen. 
Ein super gutes MLM (Multi-Level-Marketing) nach Wikipedia: Netzwerk-Marketing. 

Ich habe vor einigen Jahren meine Erfahrungen mit einem „Saft“ gemacht und mich königlich gefreut, als ich der altbekannten und vertrauten Philosophie, Strategie und Argumentation  wieder begegnet bin. Habe die Worte von damals noch im Ohr (von einer „Produkt“-Schulung): ‚Vom Produkt müßt ihr keine Ahnung haben, ihr verkauft eine Geschäftsidee, mit der man viel Geld verdienen kann…‘ War damals von der super gepriesenen Wirkung (was der alles heilen konnte) so begeistert (schließlich lud man ja extra einen Arzt ein, der das sooo gut erklärte) dass ich am liebsten alle mir bekannten und „bedürftigen“ Personen zwangsbeglücken wollte (Gott sei Dank, haben sie sich erfolgreich gewehrt). Bis ich eines Tages selbst nicht mehr an das „Produkt“ konnte, schon allein beim Geruch drehte sich mir der Magen um, geschweige denn der Geschmack – mein schlauer Körper hat „niente“ gesagt. Tja, hat auch nichts genutzt, dass ich ihm erklärte: aber wir haben doch (selbstverständlich) ein Abo – er wollte es einfach nicht mehr.

Solche Erfahrungen gehören zum Leben, es sei denn man ist wirklich ein Vertriebs-Ass und noch nahe an der „Materi(el)en“Quelle bzw. ein ausgesprochenes Beziehungs-Marketing-Talent. Es ist schlicht ein Geschäft und wer es möchte soll es probieren.


Weshalb bin ich nun trotzdem etwas unruhigt? Es ist das verwendete Produkt: ÄÖ und deren Dosierungen. 
ÄÖ, die  pur auf die Haut getropft und dann massageartig verstrichen werden. Diese ÄÖ zählen nicht gerade alle zu den Softies. Es sind u.a. Basilikum, Majoran, Oregano, Pfefferminze, Thymian, Wintergrün, Zitrone, Zypresse…


Die pure Anwendung ÄÖ auf die Haut habe ich bisher nur einmal erlebt und zwar in Frankreich.  ÄÖ  von Nadelhölzern auf die Fußsohlen verrieben und dann mit einem Haarföhn noch „nachgewärmt“ – eindrucksvoll! Es war ein bekannter Arzt für/der Aromatherapie und dieser verstand sein Handwerk mit ÄÖ, und das als ausgesprochen therapeutisch.
Meine allererste Begegnung mit ÄÖ war ein selbstgemachtes "Entspannungsbad" nach einer Rezeptur aus einer Frauenzeitschrift mit Zitrone drin (Hauptanteil). Es gab eine herrliche rote Körperfärbung mit juckendem Brennreiz. Fantastisch, so muß sich ein Krebs im heißen Wasser fühlen. Der Fehler war: ich hatte keinen Emulgator (stand nicht drin im Rezept) verwendet, zu hohe Dosierung und Zitrone mit heißem Wasser kontaktiert. Etwas später in meiner ersten Ausbildung wurde dieses rätselhafte Erlebnis aufgelöst. Obwohl ich damals dachte, mir zieht es das Fell über die Ohren, bin ich den ÄÖ treu geblieben und ein Hautschaden blieb mir auch erspart.


Ich hatte das Glück an mehreren Duftreisen nach  Frankreich teilzunehmen (an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank an die Veranstalter, es war super  und ich möchte es nicht missen, es bleiben  unvergessliche Erlebnisse). Dort habe ich eine Relation von Pflanzenmenge und dem daraus gewonnen ÄÖ bekommen, sehr  eindrucksvoll, wieviel Material in einem Tropfen ÄÖ drinnen stecken kann… ach, fast hätte ich es vergessen, die Destillationsanlagen waren dort aus Edelstahl und mit exakter Überwachungstechnik für die anliegenden Medien ausgestattet, 


Mensch und Material (Lavendel Stroh)


mit firmeninternen sowie externen Prüflaboratorien... und biologischen Anbau bzw. Wildsammlung gab es auch. Allerdings war die Wildsammlung  klein und fein und konnte nur spezielle Kunden bedienen, also leider keine große Produktion  möglich.

Wildwachsender Lavendel -. Ernte
Ganzgleich, wie hochgelobt lebensjunge ÄÖ sind, ich bleibe bei meinen sehr gut bewährten ÄÖ  und den nach dem derzeitigen Kenntnisstand in Lehre und Literatur als physiologisch unbedenklich angeratenen Dosierungen der ÄÖ von unter bzw. bis  1%. Damit ist die Aromapflege, der  kosmetische Bereich, der Wellness-Bereich und der gesundheitspraktische Bereich sehr gut und verbraucherfreundlich und verbrauchersicher abgedeckt. Alle anderen höheren dosierten Anwendungen überlasse ich gerne Ärzten und Heilpraktikern.

ÄÖ als Schüttgut? Das passt irgendwie nicht in meine Erfahrungs- und Verständniswelt.

Eine Frage noch zum Schluss.                                                                                                                       
Was sind diese Tropfen eigentlich: Arzneimittelprodukt, Kosmetikum, Bedarfsgegenstand, Biozid? Wie sind sie gekennzeichnet? Ich habe es nicht gefunden.

Für mich zählen mindestens 3 wichtige Punkte zu einem gesundheitsfreundlichen und sicheren Umgang mit ÄÖ für die (professionelle) Anwendung:
  1. eine gute und fundierte Fachausbildung, abgestimmt auf die Anwendungsabsicht
  2. die Qualität des ÄÖ  (100% naturrein, "sauber" und haltbarkeitsberücksichtigend)
  3. die richtige Dosierung

Hier sind hilfreiche Grundsätze  der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA) zum sicheren Umgang mit ÄÖ zu finden.

Kommentare:

  1. diese traumhaften fotos mit mensch und destillationsgut bitte nochmals in groß posten! ich habe witzigerweise vor 10 minuten die tabelle ausgegraben: 1 quadratmeter pfefferminzeanbau ergibt circa 1 kg reines destillierbares pfefferminzekraut, das ergibt circa 5 ml pfefferminzeöl, das sind circa 100 tropfen ätherisches öl. 1 quadratmeter melisseanbau ergibt circa 1 kg reines destillierbares melissekraut, das ergibt circa 0,5 ml pfefferminzeöl, das sind circa 10 tropfen ätherisches öl. die von dir angesprochene firma und ihre hoch gelobte technik verwendet von pfefferminzeöl und noch schärferen ölen insgesamt mindestens 7 ml reines, unverdünntes ätherisches öl. welch eine verschwendung von ressourcen, welch eine gefahr für die haut der behandelten, welche allergisierungsgefahr der behandler(innen)! welch eine unethische möglichkeit, sehr viel geld zu verdienen.

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  2. Liebe Christine,
    zu dem ersten Abschnitt deines Beitrages hätte ich auch einiges zu sagen. Ich glaub, ich denke da an die gleiche Firma, von der du schreibst. Hier in der Nähe werden Duftabende der Firma angeboten, von denen ich mich allerdings weit entfernt halten werde.
    Ich halte es für sehr bedenklich, dass an solchen Abenden Menschen für die ätherischen Öle gewonnen werden sollen, die vorher noch nichts davon gehört haben. Sie werden falsch an diese wunderbare Heilmethode herangeführt.
    LG Heidi

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  3. Schöner Beitrag. Die gleiche Destille mit dem gleichen "Kerl" habe ich auch fotografiert. Und die 2 bei der Wildsammlung kommen mir auch bekannt vor. Von den Marketing-Experten diese MLM-Systeme kann man viel lernen...

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